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Ostern in Indien

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Date17 Apr 2022

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Auf der ganzen Welt feiern Christen zu Ostern die Auferstehung Jesu Christi und damit einen der Grundpfeiler des christlichen Glaubens. Schließlich glauben Christen daran, dass sich Jesus Christus als Sohn Gottes für die Menschheit geopfert hat und sich mit seiner Auferstehung als Erlöser offenbart hat. Daher sind vor allem der Karfreitag als Tag der Kreuzigung Jesu sowie der Ostersonntag als Tag der Auferstehung von besonderer Bedeutung und werden dementsprechend mit verschieden Traditionen und Ritualen festlich begangen. 

In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Ostertraditionen, die sich je nach Region voneinander unterscheiden (Lest dazu auch unseren Artikel über das Osterfest in Deutschland). Indien hingegen wird im Ausland oft primär als hinduistisches Land wahrgenommen, doch dieses Bild ist viel zu einseitig. Tatsächlich beherbergt Indien eine enorme Vielfalt an Kulturen, Traditionen und Religionen. So leben in einigen Regionen des indischen Subkontinents bereits seit Jahrhunderten große christliche Gemeinschaften. Hierzu zählen Goa an der Westküste, die nordöstlichen Bundesstaaten Nagaland, Mizoram, Meghalaya, Manipur und Arunachal Pradesh sowie große christliche Gemeinschaften in der Metropole Mumbai und im südlichen Küstenstaat Kerala. Insgesamt beträgt der Bevölkerungsanteil der Christen in Indien zwar nur ca. 2,3 %, doch damit stellen sie immerhin die drittgrößte Religionsgruppe – mit weitem Abstand hinter Hinduismus und Islam.  

Nach christlicher Glaubensvorstellung wird der Heilige Thomas, einer der zwölf Apostel Christi, als Stifter des Christentums in Indien angesehen. Er soll im Jahre 52 nach Christus die Malabarküste im Südwesten des Subkontinents per Schiff erreicht haben. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass sich bereits im 6. Jahrhundert größere christliche Gemeinschaften an der Küste des heutigen Keralas entwickelt hatten. Mit dem wachsenden Einfluss der europäischen Kolonialmächte in Indien ab dem 15. Jahrhundert konnten sich auch verschiedene christliche Konfessionen als Minderheitsreligionen in Indien etablieren. Aufgrund des Jahrhunderte währenden portugiesischen Einflusses in Goa, lebt in diesem Bundesstaat sowie in den Küstenregionen in den angrenzenden Bundesstaaten noch heute eine große Anzahl an Katholiken. Insbesondere der Karneval von Goa ist in ganz Indien berühmt für seine farbenfrohen Kostüme und ausgelassenen Straßenfeste. Französische Missionare wiederum brachten das Christentum mit sich in die französischen Handelsstützpunkte an Indiens Ostküste. Als zweitgrößte christliche Konfession hinter dem Katholizismus konnte sich die anglikanische Kirche mithilfe des britischen Kolonialismus ausbreiten. Daher befinden sich die bedeutendsten christlichen Sakralbauten Indiens zum einen in der alten Hauptstadt Britisch-Indiens, Kalkutta, und zum andere im katholisch geprägten Goa. 

Zu Ostern haben sich in Indien ganz eigene Traditionen entwickelt. So findet man die in Deutschland allgegenwärtigen bemalten Ostereier und Osterhasen hier eher selten. Allerdings tauschen auch Christen in Indien zu Ostern kleine Geschenke aus und wünschen sich gegenseitig den Segen Gottes zu diesem Hochfest. Einige indische Christen folgen zudem der christlichen Fastentradition, die in Europa sehr verbreitet ist. Ähnlich wie in Deutschland verzichten viele Christen in Indien auf den Verzehr von Fleisch während der Fastenzeit und am Karfreitag als Trauertag. Eine Besonderheit besteht in der Tradition zum Karfreitag ein bitteres Getränk zu reichen, welches häufig Essig beinhaltet. Der bittere Geschmack versinnbildlicht die Trauer um die Kreuzigung von Jesus. Zu Ostern werden in Indien außerdem häufig Theaterstücke aufgeführt, die die Leidens- und Erlösungsgeschichte Jesu berichten. 

Da Indiens christliche Bevölkerung über das ganze Land verteilt lebt, unterscheiden sich auch die Ostertraditionen von Region zu Region. Goa ist bekannt für besonders prunkvolle Dekorationen an den vielen portugiesischen Kirchen. An Karfreitag wird der Kreuzweg Jesu in Alt-Goa nachgespielt: Die Gläubigen tragen ein massives Holzkreuz und ein Bild von Jesus durch die Straßen, um an die Aufopferung Jesu für die Menschheit zu erinnern. Nach dem großen Gottesdienst am Morgen des Ostersonntags treffen sich die Gläubigen zu großen Festessen, bei denen auch selbst gebackene Osterkuchen sowie Fleischgerichte verzehrt werden. Auch in Kerala darf am Ostersonntag wieder Fleisch gegessen werden. Zudem werden Spezialitäten aus der Küche Keralas verzehrt, wie der Reispfannkuchen Appam, gebackene Bananen und das berühmte Ei-Curry. Der vornehmlich christlich geprägte Nordosten Indiens wiederum hat seine eigenen Traditionen. So werden im Bundesstaat Meghalaya zu Mitternacht Volkslieder gesungen und traditionelle Tänze aufgeführt. In Mizoram spielen früh morgens die Musikbands der Heilsarmee christliche Lieder, um die Gläubigen zu wecken und eine feierliche Stimmung für dieses besondere Fest zu erzeugen.    

Falls ihr noch andere besondere Ostertraditionen aus Indien oder anderen Ländern kennt, dann schreibt uns gerne in den Kommentaren oder direkt an [email protected].

Autor: Ferdinand Schlechta

Foto: Unsplash - Anantha Krishna A

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