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Uttar Pradesh - Das kulturelle Herz Nordindiens

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Date03 Jan 2022

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Uttar Pradesh ist wahrhaftig ein Bundesstaat der Superlative. Gemäß aktuellen Schätzungen leben hier fast dreimal so viele Menschen wie in Deutschland – und zwar auf gerade einmal zwei Dritteln der deutschen Landesfläche. Wäre UP, wie es umgangssprachlich genannt wird, ein eigenständiger Staat, würde es hinter Indonesien und noch vor Indiens Nachbar Pakistan den 5. Rang unter den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde einnehmen. 

Aufgrund seiner Lage in der fruchtbaren Gangesebene zählt die Landwirtschaft zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in der Region. Zudem haben sich viele der größten Städte des Bundesstaates an den mächtigen Flüssen angesiedelt, die UP von West nach Ost durchziehen. Weltweite Berühmtheit genießt die an den Ufern der Yamuna gelegene Großstadt Agra. Eine Vielzahl an archäologischen Stätten und Bauwerken – wie das atemberaubende Taj Mahal, ein islamisches Mausoleum aus dem 17. Jahrhundert – zeugen von der faszinierenden Geschichte Agras als Hauptstadt des mächtigen Mogulreiches. 

Das einzigartige kulturelle Erbe dieser Region lässt sich auch weiter flussabwärts bestaunen. Am Zusammenfluss der heiligen Ströme Ganges und Yamuna kommen alle 12 Jahre viele Millionen Menschen zur Kumbh Mela zusammen. Dieses hinduistische Fest gilt als die größte religiöse Zusammenkunft der Welt und wird an vier verschiedenen Orten in Nord- und Westindien zelebriert. Die Kumbh geht auf eine Jahrtausende alte Legende zurück, in dessen Mittelpunkt ein erbitterter Streit zwischen Göttern und Dämonen stand. Diese kämpften um einen Krug (Sanskrit: Kumbh), der mit Amrit, dem Nektar der Unsterblichkeit, gefüllt war. Bei diesem Kampf fielen vier Tropfen der heiligen Flüssigkeit zu Boden – an diesen vier Orten wird nun seit hunderten von Jahren die Kumbh Mela gefeiert (Prayagraj in Uttar Pradesh, Haridwar in Uttarakhand, Ujjain in Madya Pradesh und Nashik in Maharasthra).

Wenn ihr euch einen Überblick über die indischen Bundesstaaten verschaffen wollt, dann schaut euch unseren Artikel dazu hier an!

Die in Uttar Pradesh stattfindende Prayag Kumbh Mela zieht die größte Zahl an Pilgerreisenden an – im Jahr 2013 waren es fast 120 Millionen. Wie an den anderen drei Orten liegt der Schwerpunkt dieser mehrwöchigen Feierlichkeiten auf den Zeremonien und Reinigungsritualen am Ufer eines heiligen Flusses. Hierzu zählt nicht nur der mächtige Ganges, sondern auch der Godavari mit der Pilgerstadt Nashik, welche unweit der Millionenmetropole Mumbai gelegen ist, sowie der heilige Fluss Shipra im Zentrum des Landes. Die geographische Besonderheit bei der Prayag Kumbh liegt darin begründet, dass hier gleich drei heilige Ströme zusammenkommen – Ganges und Yamuna sowie der unsichtbare Fluss Saraswati. Für viele Pilger ist es ein Lebensziel, zumindest einmal ein reinigendes Bad an diesem heiligen Ort zu nehmen und so Moksha, der Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, näher zu kommen. 

Wenn man dem Lauf des Ganges weiter in Richtung des Golfs von Bengalen folgt, trifft man unweit der Grenze zum Bundesstaat Bihar gleich auf zwei bedeutende religiöse Stätten des Buddhismus und des Hinduismus. Der im heutigen Nepal geborene Prinz Siddhartha Gautama lebte vor über 2.500 Jahren in dieser Region. Er wurde zum Begründer des Buddhismus, nachdem er unter einem Bodhi-Baum bei Bodhgaya im heutigen Bihar die Erleuchtung erlangte. In Sarnath, 10 Kilometer nördlich von Varanasi im östlichen Uttar Pradesh gelegen, hielt der Buddha kurz nach seiner Erleuchtung seine erste Predigt und begründete dort die Sangha – die buddhistische Gemeinschaft.

Varanasi selbst zählt zu den ältesten durchgängig besiedelten Städten der Erde. Diese Stadt, die auch als Benares oder Kashi bekannt ist, faszinierte die Menschen schon vor Jahrtausenden durch ihre Lage am heiligen Strom und ihre herausragende religiöse und kulturelle Bedeutung als einem der wichtigsten Zentren des Hinduismus. Millionen von Pilgern und Touristen besuchen jedes Jahr die Stadt Shivas – einem der Hauptgötter des Hinduismus, der sowohl Zerstörung als auch Neubeginn symbolisiert. Viele Gläubige zieht es zu den Ghats (zum Fluss hinunterführende Stufen), um ihre Seelen reinzuwaschen und die Flussgöttin Ganga mit Feuerzeremonien zu ehren. Varanasis Rolle als eine der sieben heiligen Stätten des Hinduismus ergibt sich jedoch vor allem aus ihrer Bedeutung als Ort für die Einäscherung der Toten. Nach hinduistischem Glauben können diejenigen, deren sterbliche Überreste in Varanasi verbrannt und hier in den Ganges gestreut werden, auf Erlösung hoffen. So ist in dieser Stadt, die von Lebensenergie nur so durchströmt wird, der Tod doch allgegenwärtig. Denn wie Shiva selbst steht seine Stadt zugleich für Zerstörung und Schöpfung, für Tod und Leben. 

Falls ihr weitere Fragen zu Uttar Pradesh oder anderen indischen Bundesstaaten habt, dann schreibt uns gerne in den Kommentaren oder an [email protected]

Autor: Ferdinand Schlechta

Fotos: Ferdinand Schlechta

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